Selbstständigkeit

IAB nutzen

Eine neue Maschine, eine moderne Küchenausstattung oder dringend benötigte Betriebstechnik ist geplant – gekauft wird aber erst später. Trotzdem kannst du einen Teil der voraussichtlichen Kosten schon heute steuerlich berücksichtigen. Der Investitionsabzugsbetrag, kurz IAB, ermöglicht kleinen und mittleren Betrieben, bis zu 50 Prozent einer geplanten Investition vorab vom Gewinn abzuziehen. Dadurch sinkt zunächst die Steuerbelastung und mehr Liquidität bleibt im Unternehmen. Wichtig ist die richtige Einordnung: Der IAB ist kein bedingungsloses Steuergeschenk. Meist verschiebt er Steuern in spätere Jahre. Dauerhaft interessant kann er werden, wenn du hohe Gewinne glättest, Progressionseffekte nutzt und die Investition mit Abschreibung und Sonderabschreibung sinnvoll planst.

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1

Prüfe zuerst die Gewinngrenze

Der IAB steht nicht nur klassischen Gewerbebetrieben offen. Auch Freiberufler, Selbstständige, Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften können ihn nutzen, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind.

Entscheidend ist der steuerliche Gewinn des jeweiligen Betriebs. Dieser darf im Jahr der Bildung des IAB vor Berücksichtigung des Abzugs grundsätzlich höchstens 200.000 € betragen. Die Grenze gilt unabhängig davon, ob du deinen Gewinn mit einer Einnahmen-Überschuss-Rechnung oder durch Bilanzierung ermittelst.

Betreibst du mehrere steuerlich eigenständige Betriebe, wird die Grenze grundsätzlich für jeden Betrieb gesondert geprüft. Bei Personengesellschaften müssen jedoch gemeinschaftlicher Gewinn und relevante Sonderbetriebsgewinne zusammen betrachtet werden.

finanzhack-Tipp:

Nutze nicht einfach den Kontostand oder den vorläufigen Buchhaltungsgewinn. Maßgeblich ist der steuerlich korrigierte Gewinn vor IAB.

2

Wähle nur begünstigte Investitionen aus

Der IAB gilt für neue oder gebrauchte, abnutzbare und bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens. Typische Beispiele sind Maschinen, Werkzeuge, Küchengeräte, betriebliche Fahrzeuge, Büroausstattung, Computer, technische Geräte oder Produktionsanlagen.

Nicht begünstigt sind insbesondere Grundstücke, Gebäude, Waren für den Weiterverkauf und die meisten immateriellen Wirtschaftsgüter. Bei Software können Sonderregeln greifen, etwa bei steuerlich als beweglich behandelten Trivialprogrammen. Solche Fälle solltest du fachlich prüfen lassen.

Du musst dem Finanzamt bei der Bildung des IAB nicht mehr jedes einzelne geplante Wirtschaftsgut detailliert benennen. Trotzdem muss die Investition wirtschaftlich realistisch sein und innerhalb der gesetzlichen Frist erfolgen.

finanzhack-Tipp:

Sammle Angebote, Investitionspläne und interne Kalkulationen. Auch wenn keine verbindliche Bestellung erforderlich ist, stärken sie deine Dokumentation.

3

Berechne den IAB und den Liquiditätsvorteil realistisch

Du kannst bis zu 50 Prozent der voraussichtlichen Anschaffungs- oder Herstellungskosten als IAB abziehen. Bist du zum Vorsteuerabzug berechtigt, rechnest du normalerweise mit den Nettokosten. Ohne Vorsteuerabzug können die Bruttokosten maßgeblich sein.

Beispiel: Du planst eine Maschine für netto 80.000 €. Der maximale IAB beträgt 40.000 €. Bei einem angenommenen Steuersatz von 35 % ergibt sich zunächst ein rechnerischer Liquiditätseffekt von 14.000 €.

Dieser Betrag ist keine garantierte endgültige Steuerersparnis. Im Jahr der Anschaffung wird der genutzte IAB wieder gewinnerhöhend hinzugerechnet. Gleichzeitig können die Anschaffungskosten entsprechend gemindert werden. Dadurch fällt die spätere Abschreibung niedriger aus.

finanzhack-Tipp:

Plane den eingesparten Steuerbetrag nicht als freien Gewinn ein. Halte ausreichend Liquidität für die spätere Steuerwirkung bereit.

4

Kombiniere IAB, reguläre AfA und Sonderabschreibung

Im Jahr der Investition wird der verwendete IAB dem Gewinn wieder hinzugerechnet. Gleichzeitig darfst du die Anschaffungs- oder Herstellungskosten um den entsprechenden Betrag mindern. Die verbleibende Summe bildet anschließend die Grundlage für die reguläre Abschreibung.

Beispiel: Du hast für eine Maschine mit 80.000 € Kosten einen IAB von 40.000 € gebildet. Bei vollständiger Herabsetzung verbleibt eine Abschreibungsbasis von 40.000 €. Bei acht Jahren Nutzungsdauer entspricht das einer linearen Abschreibung von 5.000 € pro vollem Jahr. Im Anschaffungsjahr wird die reguläre AfA zeitanteilig berechnet.

Zusätzlich kann für begünstigte Anschaffungen eine Sonderabschreibung von insgesamt bis zu 40 % genutzt werden. Im Beispiel wären das bei einer gekürzten Bemessungsgrundlage von 40.000 € bis zu 16.000 €. Die Sonderabschreibung kann auf das Anschaffungsjahr und die vier folgenden Jahre verteilt werden.

finanzhack-Tipp:

Die höchste Abschreibung im ersten Jahr ist nicht automatisch die beste Lösung. Prüfe, in welchen Jahren dein Steuersatz voraussichtlich besonders hoch ist.

5

Sichere Investitionsfrist und betriebliche Nutzung ab

Die Investition muss spätestens bis zum Ende des dritten auf die Bildung folgenden Wirtschaftsjahres erfolgen. Bei einem IAB aus 2026 bleibt damit grundsätzlich bis Ende 2029 Zeit.

Nach der Anschaffung muss das Wirtschaftsgut bis zum Ende des folgenden Wirtschaftsjahres vermietet oder in einer inländischen Betriebsstätte ausschließlich beziehungsweise fast ausschließlich betrieblich genutzt werden. In der Praxis wird dafür regelmäßig eine betriebliche Nutzung von mindestens 90 % verlangt.

Besonders riskant sind Fahrzeuge, die auch privat gefahren werden. Eine pauschale Firmenwagenversteuerung beweist nicht automatisch die erforderliche Nutzung. Ein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch kann hier entscheidend sein.

Erfolgt die Investition nicht rechtzeitig oder wird die Nutzungsanforderung verletzt, kann das Finanzamt den IAB rückwirkend streichen. Dann werden Steuern nachgefordert; zusätzlich können Zinsen entstehen.

finanzhack-Tipp:

Lege für jeden IAB einen digitalen Fristenordner an: Abzugsjahr, Restbetrag, Investitionsfrist, Anschaffung und Nachweis der betrieblichen Nutzung.

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