Ein Klick auf „Später bezahlen“ fühlt sich beim Online-Shopping oft nicht wie ein Kredit an. Genau darin liegt das Risiko: Mehrere kleine Rechnungen können sich unbemerkt zu einer größeren Belastung entwickeln.
Buy Now, Pay Later – kurz BNPL – macht Einkaufen bequem. Du erhältst die Ware sofort und bezahlst später oder in mehreren Raten. Wird eine Fälligkeit übersehen oder reicht das Guthaben am Abbuchungstag nicht aus, können Mahnungen, Rücklastschriftkosten und später sogar Inkassoforderungen folgen.
Eine SCHUFA-Umfrage aus dem Frühjahr 2025 zeigte: 36 Prozent der befragten BNPL-Nutzer hatten in den Monaten zuvor mindestens eine Zahlungsfrist verpasst und eine Mahngebühr bezahlt. Bei den 18- bis 25-Jährigen lag der Anteil bei 48 Prozent.
Das deutsche Umsetzungsgesetz wurde am 18. Mai 2026 verkündet. Bis zum Inkrafttreten gelten grundsätzlich noch die bisherigen Vorschriften.
Die Reform erweitert den Verbraucherschutz auf viele Kleinkredite, zinsfreie Finanzierungen und BNPL-Angebote. Sie kann Überschuldungsrisiken verringern – sie nimmt dir aber nicht die Aufgabe ab, offene Zahlungen selbst im Blick zu behalten.
Schnell verstehen.
Das deutsche Umsetzungsgesetz ist beschlossen und wurde am 18. Mai 2026 verkündet.
Die meisten neuen Regeln treten am 20. November 2026 in Kraft.
Auch Kredite unter 200 Euro, zinsfreie Finanzierungen und viele BNPL-Modelle werden einbezogen.
Anbieter müssen die Rückzahlungsfähigkeit künftig auch bei erfassten Kleinkrediten prüfen.
Werbung muss deutlicher auf Kosten und Risiken von Krediten hinweisen.
Nicht jeder klassische Rechnungskauf fällt automatisch unter die neuen Kreditregeln.
Ist die Reform schon in Kraft?
Die Richtlinie (EU) 2023/2225 reformiert das europäische Verbraucherkreditrecht.
Das Umsetzungsgesetz erschien als Bundesgesetzblatt 2026 I Nr. 139.
Der weit überwiegende Teil der neuen Vorschriften tritt an diesem Tag in Kraft.
Im Juli 2026 ist das Gesetz bereits beschlossen, die neuen Verbraucherregeln sind aber überwiegend noch nicht anwendbar.
Was ist Buy Now, Pay Later?
Hinter „Jetzt kaufen, später bezahlen“ können unterschiedliche Modelle stecken:
Der vollständige Betrag wird nach einer festgelegten Frist fällig.
Der Kaufpreis wird auf mehrere Wochen oder Monate verteilt.
Die Zahlung wird kostenlos oder gegen Entgelt auf einen späteren Termin gelegt.
Ein Zahlungsdienst oder Finanzierungspartner gewährt den Aufschub.
Für Verbraucher wirkt das häufig wie eine Zahlungsoption. Rechtlich kann dahinter jedoch ein Kredit oder eine Finanzierungshilfe stehen.
Warum kleine Beträge groß werden.
Eine Rechnung über 35 Euro sieht harmlos aus. Das Risiko entsteht häufig durch mehrere Käufe bei verschiedenen Shops und Anbietern.
hatten laut SCHUFA eine BNPL-Frist verpasst und eine Mahngebühr bezahlt.
betrug der Anteil bei den befragten 18- bis 25-Jährigen.
der unter 30-Jährigen hatten laut BaFin schon einmal den Überblick verloren.
der BaFin-Befragten hatten offene BNPL-Verbindlichkeiten über 500 Euro.
Die Befragungen beweisen keine automatische Überschuldung durch BNPL. Sie zeigen aber ein deutliches Risiko für Fristversäumnisse, Mehrausgaben und fehlenden Überblick.
Was ändert sich konkret?
Die bisherige generelle Ausnahme für Kreditbeträge unter 200 Euro entfällt.
Auch eine Finanzierung ohne Zinsen oder normale Gebühren kann künftig reguliert sein.
Auch Kredite bis zu drei Monaten Laufzeit mit nur geringen Kosten werden grundsätzlich einbezogen.
Besonders Drittanbieter-Angebote für spätere Zahlung oder Ratenkauf fallen häufiger unter das Verbraucherkreditrecht.
Kosten, Raten, Fälligkeiten, Gesamtbelastung und Verzugsfolgen müssen verständlicher dargestellt werden.
Auch Anbieter außerhalb des klassischen Bankenbereichs werden stärker beaufsichtigt.
Ist jeder Rechnungskauf ein Kredit?
Ein einfacher Zahlungsaufschub durch den Händler selbst kann weiterhin ausgenommen sein, wenn die gesetzlichen Bedingungen erfüllt sind.
Kein Dritter finanziert, der Aufschub ist unentgeltlich und Verzugsfolgen bleiben begrenzt.
Für bestimmte große Onlineanbieter greift die Ausnahme nur unter engeren Voraussetzungen.
Gewährt ein Zahlungsdienst den Aufschub, greift die Händlerausnahme grundsätzlich nicht.
Nicht die Bezeichnung, sondern der tatsächliche rechtliche Aufbau zählt.
Was wird künftig geprüft?
Anbieter dürfen erfasste Kredite nur bereitstellen, wenn die Prüfung ergibt, dass die vertraglichen Verpflichtungen voraussichtlich erfüllt werden können.
- Einkommen und andere Rückzahlungsquellen,
- regelmäßige Ausgaben und Lebenshaltungskosten,
- bestehende Kredite und BNPL-Verpflichtungen,
- weitere finanzielle Belastungen,
- zulässige Daten von Auskunfteien oder anderen Quellen.
Die Rückzahlungsfähigkeit muss insgesamt bewertet werden. Der Score kann wichtig sein, ist aber nicht zwingend das einzige Kriterium.
Umfang und Tiefe der Prüfung dürfen sich an Betrag, Laufzeit und Risiko orientieren. Bei einem kleinen Zahlungsaufschub kann sie weniger aufwendig sein als bei einem großen Ratenkredit.
Mehr Rechte beim Scoring.
Du kannst eine verständliche Erklärung der Bewertung und ihrer wesentlichen Faktoren verlangen.
Du darfst zusätzliche Informationen oder eine abweichende Einschätzung vorbringen.
Eine automatisierte Entscheidung kann unter den Voraussetzungen von einem Menschen überprüft werden.
Bestimmte persönliche Daten dürfen nicht beliebig für Bonitätswerte verwendet werden.
Mehr Transparenz vor dem Kauf.
Du solltest Preis, Zahlungsplan und Bedingungen weiterhin selbst kontrollieren.
Werbung darf Kredite nicht verharmlosen.
„Achtung! Kreditaufnahme kostet Geld“
Ein gleichwertiger Warnhinweis kann ebenfalls zulässig sein. Problematisch wird insbesondere Werbung, die:
- suggeriert, ein Kredit verbessere dauerhaft deine finanzielle Lage,
- bestehende Schulden oder Bonitätsdaten als unwichtig darstellt,
- einen Kredit als gleichwertigen Ersatz für Ersparnisse bewirbt,
- einen höheren Lebensstandard ohne Nachteile verspricht.
Keine Zustimmung durch vorangekreuzte Kästchen.
Du wählst die Finanzierung bewusst aus und bestätigst sie eindeutig.
Eine vorangekreuzte Box gilt nicht als wirksame Zustimmung.
Gleichzeitig wird der digitale Abschluss erleichtert: Bei Allgemein-Verbraucherdarlehen genügt künftig grundsätzlich die Textform statt der klassischen Schriftform.
Lies vor dem letzten Klick immer Zahlungsplan, Gesamtsumme und Verzugsfolgen.
Nicht pauschal zwölf Monate.
Im üblichen Fall bleibt die Widerrufsfrist bei 14 Tagen.
Das ist grundsätzlich die Höchstfrist bei bestimmten fehlerhaften oder fehlenden Vertragsinformationen.
Wurde über das Widerrufsrecht selbst nicht informiert, gelten besondere Regeln.
Im Normalfall bleiben es 14 Tage. Die längere Frist betrifft Informationsfehler.
Früher helfen statt nur mahnen.
Betroffene sollen auf leicht zugängliche Beratungsangebote hingewiesen werden.
Je nach Fall können Laufzeitänderung, Stundung oder andere mildere Maßnahmen infrage kommen.
Die Regeln schaffen keinen automatischen Anspruch auf einen Schuldenerlass.
Je früher du Kontakt aufnimmst, desto größer ist der Spielraum.
Was bedeutet das für unter 30-Jährige?
Junge Erwachsene nutzen digitale Zahlarten häufig, haben aber oft schwankende Einkommen und weniger Erfahrung mit parallelen Zahlungsplänen.
Anbieter können BNPL ablehnen, wenn die Rückzahlung nicht wahrscheinlich erscheint.
Raten, Kosten und Verzugsfolgen sollen verständlicher dargestellt werden.
Werbung darf Finanzierung nicht als folgenlose Lösung darstellen.
Automatische Entscheidungen werden nicht unangreifbar.
Ob der Kauf wirklich zu deinem Budget und deinen Prioritäten passt, musst du selbst entscheiden.
So vermeidest du Rechnungschaos.
Nutze den Aufschub nicht, um einen eigentlich unbezahlbaren Kauf doch abzuschließen.
Führe eine Liste mit Anbieter, Betrag, Fälligkeit und Zahlungsstatus.
Plane die Erinnerung mehrere Tage vor der Fälligkeit.
Je mehr Apps und Dienste du nutzt, desto schwerer wird der Überblick.
Prüfe, ob Rechnung und Zahlungsfrist tatsächlich angepasst wurden.
Eine kleine Rate kann einen teuren Kauf verdecken.
Was du jetzt tun solltest.
Stimmen Kauf, Betrag, Rücksendung und Fälligkeit?
Ist die Forderung berechtigt und kannst du zahlen, erledige sie möglichst schnell.
Nicht jede verlangte Pauschale ist automatisch berechtigt.
Bitte frühzeitig um eine realistische Vereinbarung.
Stoppe weitere Zahlungsaufschübe, bis alle offenen Beträge geordnet sind.
Reicht das Einkommen dauerhaft nicht, ist eine anerkannte Schuldnerberatung sinnvoller als ein neuer Kredit.
Der 8-Fragen-BNPL-Check.
Mehr Schutz – aber kein Freifahrtschein.
Ab dem 20. November 2026 werden viele BNPL-Angebote, zinsfreie Finanzierungen und Kleinkredite stärker reguliert.
Anbieter müssen die Kreditwürdigkeit prüfen, deutlicher informieren und Kreditwerbung vorsichtiger gestalten. Bei automatisierten Entscheidungen entstehen zusätzliche Rechte. Auch bei Zahlungsschwierigkeiten sollen Beratung und angemessene Lösungen stärker berücksichtigt werden.
Gleichzeitig bleibt BNPL ein Kredit oder Zahlungsaufschub. Die Reform kann Risiken sichtbarer machen, verhindert aber nicht jeden Impulskauf und nicht jede vergessene Rechnung.
Kannst du den Kauf nur abschließen, weil der Betrag heute nicht vorhanden ist, lohnt sich meist eine Pause vor dem Bestellbutton.
01Ab wann gelten die neuen Regeln?+
Die meisten Vorschriften treten am 20. November 2026 in Kraft.
02Ist BNPL immer ein Kredit?+
Viele Modelle gelten künftig als Kredit oder Finanzierungshilfe. Ein einfacher Händler-Rechnungskauf kann unter Voraussetzungen ausgenommen sein.
03Gibt es immer eine SCHUFA-Abfrage?+
Nicht zwingend. Eine Kreditwürdigkeitsprüfung ist erforderlich, ihre konkrete Ausgestaltung muss aber verhältnismäßig sein.
04Werden Kredite unter 200 Euro geprüft?+
Ja, sofern das konkrete Angebot unter den erweiterten Anwendungsbereich fällt.
05Habe ich zwölf Monate Widerrufsrecht?+
Nein. Im Normalfall bleiben es 14 Tage. Zwölf Monate und 14 Tage sind eine Höchstfrist bei bestimmten Informationsfehlern.
06Schützt die Prüfung sicher vor Überschuldung?+
Nein. Sie reduziert Risiken, kann aber zukünftige Einkommensausfälle oder neue Belastungen nicht sicher vorhersehen.
07Was mache ich bei unklaren Inkassokosten?+
Prüfe Vertrag, Fälligkeit, Zahlungen und Rücksendungen. Bei Unsicherheit hilft eine Verbraucher- oder Schuldnerberatung.



